Kaffee aus den Philippinen

Im März waren wir für zwei Wochen in den Philippinen unterwegs, um uns mit den lokalen Kaffeebauern und Produzenten zu treffen. Die Philippinen sind durch ihre Lage eines der wenigen Länder weltweit, die alle vier Kaffeesorten — Arabica, Robusta, Excelsa und Liberica — anbauen können. Mit einer Kaffeeproduktion von 80.000 Tonnen befinden ist das Land auf dem 16. Platz. Damit sind die Bohnen eine echte Rarität und trotz ihrer hohen Qualität nur schwer zu bekommen.

Blick aus dem Hotel in Baguio
Blick aus dem Hotel in Baguio

Unsere Arabica-Kaffeebohnen kommen aus dem Norden der Insel Luzon — der Benguet-Region rund um Baguio. Also führte unsere Reise in diese Bergregion:

Gleich am nächsten Tag nach unserer Ankunft auf dem Flughafen in Manila haben wir unsere Reise vor Ort organisiert. Normalerweise würden wir sowas vorher aus Deutschland machen, aber die Kommunikation per Email und Skype stellte sich doch als extrem mühsam und zeitraubend heraus. Wir entschieden uns also dazu, nur grobe Daten festzulegen und die Details nach unserer Ankunft zu klären.

Kaffeekultur in Baguio

Baguio ist von Manila eigentlich nur 250 Kilometer entfernt. Mit den Buslinien des Victory Liner dauert die Fahrt bei den örtlichen Verkehrsverhältnissen dennoch mindestens acht Stunden. Das heißt, wir benötigten einen ganzen Tag für die Anreise und einen weiteren Tag für die Abreise.

Zwangloses Kennenlernen
Zwangloses Kennenlernen

In Baguio ist die Luft im Vergleich zum warmen, stickigen Metro Manila sehr angenehm und frisch. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber deutlich unter 28 Grad, während es nachts mit 10 Grad auch mal richtig frisch werden kann. Wir trafen uns direkt am Morgen nach unserer Ankunft mit Rondel. Er ist als Kaffeeproduzent für die gesamte Koordination vom Anbau über die Ernte bis zum Röstvorgang verantwortlich. Er führte uns die folgenden Tage durch die Region und zeigte uns, welchen weiten Weg unser Kaffee tatsächlich von der Ernte bis zum Versand nach Deutschland zurücklegt.

Die frischen Kaffeebohnen werden getrocknet
Die frischen Kaffeebohnen werden getrocknet

Rondel hat uns hier einen Einblick in den Produktionsprozess gegeben. Es ist unglaublich, wieviel Arbeit es macht, bis wir die Früchte vom Strauch in unserem Kaffee genießen können. In seinem Haus hat er selbst dutzende von verschiedenen Kaffeepflanzen in Blumentöpfen gepflanzt und damit ein kleines „Kaffeewunderland“ geschaffen.

Die Kaffeesträucher wachsen in der Umgebung von Baguio in steilen Hanglagen. Große Kaffeeplantagen suchten wir vergeblich. Vielmehr finden wir in der gesamten Region immer wieder Gruppen von Kaffeesträuchern inmitten von bewachsenen Hängen und Feldern umgeben von anderen regionalen Gewächsen.

Einmal im Jahr werden die Früchte geerntet, teilweise nur mühsam durch waghalsiges Abseilen an den steilen Hängen. Doch das ist es, was letztendlich auch den Geschmack der Bohnen ausmacht. Die Sträucher übernehmen die Aromen der Pflanzen in ihrer Umgebung und sorgen damit für einen ganz besonderen und typischen Geschmack.

Qualitätsunterschiede von Kaffeebohnen
Qualitätsunterschiede von Kaffeebohnen

Allein das Sortieren des Kaffees ist ein aufwändiger Prozess. In den Philippinen ist dazu noch richtige Handarbeit nötig. So werden die Kaffeebohnen zunächst gepflückt, anschließend für mehrere Tage getrocknet und von ihren Hülsen befreit. Zum Schluss werden sie in Handarbeit Bohne für Bohne nach ihrer Beschaffenheit in fünf verschiedene Qualitätsklassen einsortiert, um das beste Geschmackserlebnis zu erreichen.

Aufwändiges Sortieren der Kaffeebohnen
Aufwändiges Sortieren der Kaffeebohnen

Die letzte Stufe ist die Röstung — ein Vorgang, der besonders von der Erfahrung des Rösters abhängig ist. Denn wird der Kaffee zu lang geröstet, werden zwar viele Bitterstoffe entfernt, zugleich verliert die Kaffeebohne aber auch ihren regionaltypischen Geschmack. Doch genau dieser Geschmack ist es, der regionalen Kaffee so besonders macht.

Säcke voll getrockneter Kaffee bereit zur Röstung
Säcke voll getrockneter Kaffee bereit zur Röstung

Zu Besuch bei der Benguet Coffee Growers Association

Die reginoale Vereinigung kümmert sich um die Bauern vor Ort. Sie sammelt wichtige Erkenntnisse in ihrer Forschung, um den Anbau von Benguet Kaffee zu optimieren und die Qualität zu steigern. Davon profitieren alle, denn durch eine bessere Qualität steigt der erzielbare Verkaufspreis und damit auch das Einkommen der Bauern. Die zweite wichtige Aufgabe ist die Kommunikation zur Politik, um für Unterstützung für die Bedürfnisse der Bauern zu werben.

Testfarm zur Schulung und Erforschung von Kaffeegewächsen
Testfarm zur Schulung und Erforschung von Kaffeegewächsen

Wir haben uns auf der Farm umgesehen und wirklich viel gelernt. Die gesamte Produktion ist vergleichsweise klein und familiär. Großindustrielle Kaffeeproduktion suchten wir vergebens. Vielmehr besteht das Geschäft hier filigraner Handarbeit und viel Geduld und Schweiß.

Janellsa fragte ebenfalls nach biologischem Anbau und erfuhr die Antwort mit einem breiten Lächeln. Die angebauten Kaffeepflanzen seien normalerweise sehr robust und benötigen keine zusätzlichen Pestizide oder Dünger.

Gruppenfoto zum Abschluss -- bitte lächeln!
Gruppenfoto zum Abschluss — bitte lächeln!

Voller Begeisterung und Leidenschaft

Sowohl für Janellsa als auch für mich waren diese Tage extrem spannend. Wir sind fasziniert von der Leidenschaft der Bauern und Arbeiter für ihren Kaffee. Von der Ernte bis zur Röstung steckt so viel Herzblut und Erfahrung in den Bohnen, dass wir es nur schwer in Worte fassen können.

Für uns ist es etwas besonders, die Hände zu kennen, die Tag für Tag die Bohnen für den Kaffee sortieren, den wir so gern genießen. Zu wissen, dass hinter der philippinischen Kaffeeindustrie keine Megakonzerne stehen, die auf großen Monokulturen den letzten Profit aus dem Boden saugen gibt mir das Vertrauen, dass man auch nachhaltigen Kaffee zu fairen Bedingungen produzieren kann.

Wir freuen uns, dass wir einen kleinen Einblick in die Gegebenheiten vor Ort gewinnen konnten. Gern möchten wir dazu beitragen, die Begeisterung und Liebe für den philippinischen Kaffee in die Welt zu tragen. Wer könnte das besser würdigen als deutsche Kaffeeliebhaber?

Zwei glückliche Gesichter: Janellsa und Rico
Zwei glückliche Gesichter: Janellsa und Rico

2 Antworten auf „Kaffee aus den Philippinen“

  1. Hallo,
    toll das ihr direkt vor Ort euch mit den Menschen und der Produktion auseinander setzt. Habe bisher allerdings kaum Kaffee von den Philippinen gefunden, gibt es einen speziellen Online Shop oder Händler den ihr empfehlen könnt?

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