Hinter den Kulissen: Die Malagos Chocolate Farm

Endlich war es so weit und wir würden mit eigenen Augen sehen, wo unsere philippinische Schokolade wächst! Es war der nächste Morgen nach unserer Ankunft in Malagos und wir trafen uns mit Jamie zur lang ersehnten Tour über die Malagos-Kakao-Plantage.

Wer hätte das überhaupt jemals vermutet, dass wir uns einmal „auf der anderen Seite“ wiederfinden würden? Anstatt Schokolade genüsslich im heimischen Wohnzimmer zu genießen, schleppen wir uns bei 35 Grad im Schatten durch heiße Vormittagssonne. Was tut man nicht alles, um zu sehen, wo sein Essen so herkommt!

Hier findest du den ersten Teil unserer Reise nach Davao.

Ein schmaler Feldweg führte vorbei an unzähligen Kakaobäumen bis wir schließlich eine große Halle erreichten. Neben einem offenen Bereich bestand sie aus mehreren geschlossenen Bereichen, in denen die Kakaofrüchte während der Ernte verarbeitet und gelagert werden.

Zu allererst erzählte uns Jamie von der Vielfalt an Kakaosorten, die weltweit zu finden sind. Sie haben alle ihren Ursprung aus den beiden Grundsorten Criollo und Forastero. Criollo gilt als einheimische Pflanze und zeigt sich recht empfindlich gegenüber Schädlingen und schlechten Wetterbedingungen. Forastero hingegen ist eine fremde Kakao-Sorte, die nur zum Zweck des Kakaoanbaus gepflanzt wurde und sonst in der Region nicht zu finden wäre.

Kreuzt man beide Sorten in unterschiedlichem Ausmaß entstehen zahlreiche Variationen, von denen Trinitario eine der bekanntesten darstellt. Sie vereint als Edelkakao die robusten Eigenschaften von Forastero mit den geschmacklichen Vorzügen von Criollo.

Dennoch ist die Kakaofrucht extrem empfindlich und erfordert intensiver Fürsorge. Anstelle von Pflanzenschutzmitteln hat man sich in Malagos für den aufwändigeren Weg entschieden, die heranwachsenden Früchte in Plastiktüten zu packen und die Schädling einfach „auszusperren“.

Richtig gehört! Jede Frucht wird einzeln per Hand in Plastiktüten verpackt! Wir konnten es kaum glauben.

„Ursprünglich hätte aus dieser Plantage eine Ananasfarm werden sollen“, erzählte uns Jamie erfürchtig. Doch damit wäre das Malagos Garden Resort in Zukunft von kahlen Feldern umsäumt und der Betrieb im Einklang mit der Natur wäre kaum noch zu realisieren. Also entschied sich Familie Puentespina das Land kurzerhand selbst zu erwerben.

Erst später begriffen wir, woher diese Angst vor der Ananas kommt. Nur zufällig entdeckten wir ein Feld für ihren Anbau und begriffen: So weit das Auge reichte sahen wir nichts außer leere Felder bedeckt mit kniehohen Sträuchern, an denen irgendwann einmal die kleinen Ananas heranreifen würden. Was für ein trostloser Anblick!

Wenn ich mir vorstelle, dass der magische Kakao-Wald mit seinen bunten Früchten dem außerirdisch anmutenden Ananasfeld hätte weichen sollen, stellen sich mir noch jetzt die Nackenhaare auf. Ganz abgesehen davon, mag ich Schokolade viel lieber als Ananas 😉

Die Produktion von Kakao, wie wir ihn kennen, zeigt sich in der Realität als komplexe Angelegenheit heraus. Einerseits wächst Kakao das ganze Jahr und ist damit sehr arbeitsintensiv, weil nicht alle Früchte gleichzeitig reif sind. Andererseits sind die Bäume sehr empfindlich und leicht anfällig bei Wetterveränderungen und gegenüber Schädlingsbefall.

Die Früchte zu ernten, ist schon viel Arbeit. Sie müssen zunächst sauber vom Baum getrennt werden, um sicherzustellen, dass auch wieder Früchte nachwachsen. Natürlich wird dazu keine Maschine verwendet, sondern die Helfer hacken die Früchte mit scharfen Macheten vom Baum. Wer einmal gesehen hat, wie mit diesen Säbeln auch Kokosnüsse geöffnet kann kaum glauben, dass die Arbeiter am Ende des Tages noch alle Finger haben 😉

Anschließend werden die harten Schalen der Früchte aufgebrochen, um an die innenliegenden Kerne zu gelangen. Wir hatten selbst die Gelegenheit, uns an diesem Schritt auszuprobieren und können sagen: Die Schale ist ganz schön stabil! Die Früchte werden dazu vorsichtig auf einer Schneide gerollt, um die Schale zu halbieren. Wichtig ist, dass dabei das Fruchtfleisch nicht zerstört wird. Denn darin befinden sich die wertvollen Kakaokerne, aus denen später einmal Schokolade werden soll.

Spannend war übrigens, dass man das Fruchtfleisch auch so essen kann! Der Geschmack hat mit Schokolade überhaupt nichts gemeinsam, sondern ist eher süßlich-säuerlich und sehr erfrischend! Bei über 30 Grad kam uns das sehr entgegen — Janellsa hat ihre ganze Frucht mit Hochgenuss beim Rundgang vernascht! 🙂

Nachdem die Kerne herausgelöst wurden, werden sie für fast eine Woche fermentiert. Allein dieser Prozess wirkt sich entscheidend auf die Qualität und das Aroma der Schokolade aus. Während einige Produzenten diesen Schritte sogar ganz überspringen, setzt man in Malagos auf eine dreistufige Fermentation. Das heißt, die Kerne werden „gewendet“ um sicherzustellen, dass die Fermentation überall gleichmäßig stattfindet.

Im Anschluss müssen die Kerne gewaschen und getrocknet werden, bevor sie zum Schluss für die Verarbeitung in Säcke verpackt werden können.

An allen Ecken sahen wir, wieviel Gedanken man sich um einen nachhaltigen Anbau macht. Die Schutzverpackung der Früchte am Baum ist nur ein Beispiel. Es werden auch die Schalen der Früchte aufgehoben und als Dünger für den Boden verwendet.

Nach dem Besuch der Farm machten wir noch einen Abstecher ins erst neu eröffnete Schokoladenmuseum. Hier werden die Hintergründe des Schokoladenanbaus nochmals im Detail aufgezeigt. Auch ein Blick auf den weltweiten Einsatz des Rohstoffes und seine nachhaltige Nutzung kommt hier nicht zu kurz.

Das Museum hatte uns besonders durch seine anschauliche Art imponiert. Es gibt nur wenige Texttafeln und dafür viele anschauliche Grafiken und Modelle, die Zusammenhänge begreifbar machen.

Den Tag ließen wir beim gemeinsamen Abendessen mit Mr. Rex und Jamie ausklingen. Hier hatten wir auch Gelegenheit, über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Denn bisher verwendeten wir lediglich die 100-%-Kakao-Tabs für unsere Trinkschokolade. Es gibt aber auch 65 %, 72 % und 85 % und leckere Süßigkeiten in Form von Schokoladentafeln und Schokochips, die direkt aus den gerösteten Kakaobohnen gewonnen werden.

Als große Herausforderung stellt sich leider der Transport heraus. Die Schokotafeln vertragen nämlich keine große Hitze, doch der Weg von Davao bis zum Flughafen in Manila ist lang und heiß. Mr. Rex verriet uns, dass sie ihre eigene Ware vor allem nachts transportieren, um die heiße Sonne tagsüber zu meiden. Sicherlich nichts, was die Logistik einfacher macht! Hier arbeiten wir gemeinsam an einer bezahlbaren Lösung.

Derzeit sind die Schokoladentafeln mit 72 % und 85 % Kakaoanteil in begrenztem Maße bereits im Café erhältlich. Weitere Varianten werden in naher Zukunft sicher folgen! Schaut also mal rein!

Hier findest du den ersten Teil unserer Reise nach Davao.

Eine Antwort auf „Hinter den Kulissen: Die Malagos Chocolate Farm“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.